PC-Spiele-News; Borderlands ..
“Ego-Shooter und Rollenspiel haben zusammen ein Baby bekommen!” (Originalzitat, Quelle – GameStar 12/09)
Allein wegen dieses Satzes griff ich zweimal zum Asthmaspray. Ganz ehrlich, nehme man einen klassischen Ego-Shooter Spielers (gedanklich hänge ich an dem Bild eines Counterstrike spielenden 12-jährigen, etwas übergewichtig, Brille auf der Nase, Pickel übersät und Internetslang ála Denglisch & Co. auch in Alltagsgesprächen benutzend) und paare das mit einem Nischenobjekt Marke Rollenspieler (mhhh, selbes Bild bloss ohne den PC und das Headset, allerdings in einer kleinen Runde Gleichgesinnter).Packenwir noch ein paar Klischees dazu, schließlich schreien ja Ego-Shooter-Spieler ständig cholerisch rum weil der Kontrahent mal wieder nur Luck (nein – kein Glück verdammt! Er hat LUCK!!!) hat. Ein Oberlippenflaum gehört denke ich auch fix zum Style. So:

Und nun überdenken wir nochmal dieses Zitat – das nehme ich an positiv werbend hätte sein sollen. Übrigens steht unter diesem Zitat noch Folgendes “Das sieht hübsch aus, ist aber ein bisschen wacklig auf den Beinen.” (Originalzitat, Quelle – GameStar 12/09)
Letzerem würde ich zustimmen. Wobei wen interessierts? Gehen wird sowieso überbewertet in einer Gesellschaft die sowieso alles daran zunehmend weniger gehen zu müssen!
Kommen wir aber zum eigentlichen Kern der Sache, Borderlands selbst. Ich habe mir die Mühe gemacht das Spiel zumindest mit einem Charakter durchzuspielen – im Sinne von jede Quest erfüllt und auch den letzten Endgegner geplättet. Ich muss dem Spiel also zumindest über die Dauer von 20 Stunden Spielspaß zugestehen, sonst hätte ich wahrscheinlich nicht solange durchgehalten. Parallel dazu habe ich mit meinem Kumpel ey (an dieser Stelle ist der dann wohl mein “Mate”) im Onlinemodus einen anderen Charakter probiert. Egal ob alleine oder mit maximal 3 weiteren Mitspielern macht man also Folgendes: Man spielt einen von vier unterschiedlich konzipierten Charakteren in einer endzeitlichen Welt auf einem fremden Planeten mit alienartiger Spezies. In Ego-Shooter-Manier erschießt man hunderte von Gegnern, hat aber auch die Möglichkeit in einem 2-Mann-Buggy durch die öde Landschaft (Es ist tatsächlich Ödland – was natürlich auf Dauer ziemlich öde ausfällt, aber mein Gott – wenn die Entwickler das so wollen, okay – ich nehme es als “Setting-gegeben” hin) zu brettern jedweden Gegner einfach zu überfahren (man kann tatsächlich jeden Gegner im Spiel einfach überfahren – klappt) oder mit Endlosmunition aus Maschinengewehr oder Raketengeschütz (im Vergleich zum Überfahren aber nur minder effektiv) erschießen. Während man das tut jagt man aber meistens einer Aufgabe (Quest) hinterher, die allerdings wenig variieren – sprich man muss eine limitierte Anzahl an Feinden töten, ein paar Gegenstände finden und auf dem Weg gezwungenermaßen Feinde töten oder einen Endgegner töten und im Zuge dessen noch mehr Feinde töten. Jetzt kam dann natürlich relativ rasch die Frage auf, was hält den Spieler dann eigentlich länger als eben diese 20-Stunden-Durchspielen bei der Stange. Die Story ist nämlich sehr flach und wenig beeindruckend, die Landschaft sieht in weiten Teilen einfach sehr sehr ähnlich aus, da es architektonische Strukturen so gut wie gar nicht gibt und auch Feinde gibt es wenn überhaupt nur 15 verschiedene Arten.
Meine Vermutungen für eine längere Motivation sind also Folgende:
- Es gibt eine Unzahl verschiedener Waffen mit verschiedenen Werten und Modifikationen, der Entwickler spricht von x-Millionen, heißt also, in alter Diablomanier möchte man immer Besseres und Selteneres finden – ein Anreiz
- Es gibt nach dem erstmaligen Durchspielen die Möglichkeit eines zweiten Spielverlaufs, man spielt also das Spiel nochmals mit allen Quests bis zum Ende, die Gegner haben aber nun ein angepasstes Level so das man erst im zweitmaligen Spielverlauf auf das Maximallevel von 50 kommt (mit Level 33 hatte ich es beim ersten Spielverlauf durch)
- Die Schwierigkeit steigt mit jedem weiteren Mitspieler (wir haben es zwar nur zu 2t probiert, aber da fiel mir schon auf die zu Bekämpfenden sicher 3 mal so viel aushalten und auch dementsprechend mehr austeilen) und so steigt die Anforderung; außerdem macht in der Gruppe generell alles mehr Spaß als alleine (!)
- die Hoffnung auf zusätzlichen Content scheint in den letzten 3 Jahren eine Art Grundmotivator in der Spieleindustrie zu sein – v.a. aber bei Onlinespielen – ich sage hierbei aber bewusst “Hoffnung” möchte dabei aber kein Dutzend Spiele erwähnen die auf diesem “wir geißeln die Spieler und schüren die Hoffnung weiter”-Prinzip basieren
Fazit: Ein im “Cel-Shading”-Look präsentierter Ego-Shooter-Hack&Slay-Titel in einem endzeitlichen Universum. Für Rollenspieler uninteressant (die Rollenspielelemente sind zu rudimentär vorhanden), für Ego-Shooter-Spieler kein Pflichttitel, für Diablo-und-Konsorten-Fans aber ein Blick wert – der Groschen muss aber insofern fallen das der Wunsch nach dem Itemsammeltrieb keimt.
Insgesamt viel Potential, aber leider noch sehr wenig Inhalt.
